Wie bereitet man sich auf das erste Gespräch mit einem Handwerksbetrieb vor?
Der erste Kontakt mit einem Handwerksbetrieb kann für Schülerinnen und Schüler aufregend und zugleich etwas stressig sein. Besonders dann, wenn ein junger Mensch zum ersten Mal selbstständig mit einem Arbeitgeber über die Möglichkeit einer Berufsausbildung und das Sammeln praktischer Erfahrungen spricht. Dabei entstehen ganz natürliche Fragen: Was sage ich zu Beginn? Was sollte ich fragen? Muss ich bereits Erfahrung haben? Wie erzähle ich von meinen Interessen? Und was mache ich, wenn ich nicht auf jede Frage sofort eine Antwort weiß? Die gute Nachricht ist: Ein Gespräch mit einem Arbeitgeber über eine Ausbildung ist keine Prüfung, bei der der junge Mensch beweisen muss, dass er bereits alles kann. Es geht vor allem darum, sich gegenseitig kennenzulernen. Der Betrieb möchte mehr über den Bewerber erfahren, und der junge Mensch sollte herausfinden, ob das Unternehmen ein guter Ort sein könnte, um praktische berufliche Kompetenzen zu erwerben.
Auf ein solches Gespräch lohnt es sich dennoch, sich vorzubereiten. Schon einige einfache Schritte können den ersten Kontakt mit einem Betrieb deutlich erleichtern.
Zuerst den Handwerksbetrieb kennenlernen
Vor dem Gespräch lohnt es sich, einige Minuten damit zu verbringen, grundlegende Informationen über den Betrieb zu recherchieren. Der junge Mensch sollte zumindest wissen:
womit sich der Betrieb beschäftigt,
welche Produkte er herstellt oder welche Dienstleistungen er anbietet,
in welcher Branche er tätig ist,
wo sich sein Standort befindet,
ob er junge Menschen ausbildet,
welche Berufe dort erlernt werden können.
Informationen können auf der Internetseite des Betriebs, in sozialen Medien, in Materialien der Schule oder in den Unternehmensprofilen auf der InterCraft-Plattform gefunden werden. Es geht nicht darum, die gesamte Geschichte des Unternehmens auswendig zu lernen. Wichtiger ist zu zeigen, dass man weiß, mit wem man spricht und warum gerade dieser Betrieb interessant erscheint.
Statt zu sagen: „Ich suche irgendeinen Betrieb, in dem ich meine praktische Ausbildung machen kann.“
ist es besser zu sagen: „Ich interessiere mich für diesen Beruf und würde gern erfahren, wie die Ausbildung in Ihrem Betrieb aussieht.“
Eine solche Antwort zeigt mehr Interesse und Engagement.
Es lohnt sich zu wissen, warum mich dieser Beruf interessiert
Im Gespräch kann die Frage auftauchen: „Warum möchtest du gerade diesen Beruf erlernen?“ Darauf ist keine lange Antwort notwendig. Es reicht, sich vorher zu überlegen, was an diesem Beruf tatsächlich interessant erscheint. Das kann die Arbeit mit bestimmten Werkzeugen sein, Interesse an Technik, das Herstellen von Dingen mit den eigenen Händen, das Reparieren von Geräten, der Kontakt mit Menschen oder die Zufriedenheit darüber, am Ende ein sichtbares Arbeitsergebnis zu haben.
Eine mögliche Antwort könnte lauten: „Ich mag praktische Aufgaben und möchte lernen, sie professionell auszuführen.“
oder: „Ich interessiere mich für diese Branche und möchte sehen, wie dieser Beruf in einem echten Betrieb aussieht.“
Wichtig ist, dass die Antwort natürlich bleibt. Ein Handwerksbetrieb erwartet von einem jungen Menschen keine jahrelange Berufserfahrung. Viel wichtiger sind Interesse und Lernbereitschaft.
Man muss noch nicht alles können
Eine häufige Sorge von Schülerinnen und Schülern besteht darin, dass sie bereits vor dem ersten Gespräch bestimmte berufliche Fähigkeiten besitzen müssten. Eine Ausbildung ist jedoch gerade dazu da, diese Fähigkeiten zu erwerben. Wenn ein junger Mensch bereits Interessen hat, die zu einer bestimmten Branche passen, lohnt es sich, davon zu erzählen. Vielleicht repariert er gern Fahrräder, interessiert sich für Autos, arbeitet gern mit Holz, kocht, gestaltet oder beschäftigt sich mit neuen Technologien. Man sollte jedoch nicht vorgeben, etwas zu können, was man noch nicht beherrscht.
Viel besser ist eine ehrliche Aussage: „Das habe ich bisher noch nicht gemacht, aber ich würde es gern lernen.“ Die Bereitschaft, neue Fähigkeiten zu entwickeln, ist gerade am Anfang des Berufswegs eine große Stärke.
Das Gespräch funktioniert in beide Richtungen
Das erste Gespräch mit einem Handwerksbetrieb dient nicht nur dazu, dass der Arbeitgeber den jungen Menschen kennenlernt und einschätzt. Es ist auch eine Gelegenheit, den möglichen zukünftigen Ausbildungsort kennenzulernen. Es lohnt sich herauszufinden, wie der Arbeitsalltag aussieht, wer für die Betreuung zuständig sein wird, welche Aufgaben erlernt werden und welche Entwicklungsmöglichkeiten der Betrieb bietet. Vor dem Treffen können deshalb einige Fragen vorbereitet werden, zum Beispiel:
Wie sehen die ersten Tage eines Auszubildenden im Betrieb aus?
Wer wird für meine Ausbildung zuständig sein?
Welche Aufgaben werde ich am Anfang kennenlernen?
Kann ich verschiedene Bereiche und Arbeitsschritte kennenlernen?
Wie sieht ein typischer Arbeitstag im Betrieb aus?
Welche Eigenschaften sind in diesem Beruf besonders wichtig?
Wie erhalten Auszubildende Feedback zu ihren Fortschritten?
Wie arbeitet der Betrieb mit der Schule zusammen?
Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es nach Abschluss der Ausbildung?
Es müssen nicht alle Fragen gestellt werden. Es reicht, diejenigen auszuwählen, die für den jungen Menschen besonders wichtig sind.
Checkliste vor dem Gespräch mit einem Handwerksbetrieb
Vor dem Treffen lohnt es sich zu prüfen, ob alles vorbereitet ist:
Ich weiß, womit sich der Betrieb beschäftigt. Ich weiß, welchen Beruf ich dort erlernen kann. Ich kenne Ort und Uhrzeit des Treffens. Ich weiß, mit wem ich mich treffen werde. Ich habe mir überlegt, warum mich dieser Beruf interessiert. Ich kann einige Sätze über mich selbst erzählen. Ich habe drei bis fünf Fragen an den Arbeitgeber vorbereitet. Ich weiß, wie ich zum Betrieb komme, und plane ausreichend Zeit ein. Ich habe passende und gepflegte Kleidung vorbereitet. Ich habe notwendige Unterlagen dabei, falls der Betrieb darum gebeten hat. Ich weiß, dass ich Fragen stellen darf und nicht auf alles sofort eine Antwort haben muss. Nach dem Gespräch möchte ich überlegen, ob dieser Ausbildungsort wirklich zu mir passt.
Wie hinterlässt man einen guten ersten Eindruck?
Der erste Eindruck hängt nicht nur von der Kleidung ab. Gerade bei jungen Menschen spielen grundlegende Verhaltensweisen eine besonders wichtige Rolle. Es lohnt sich:
pünktlich zu erscheinen,
freundlich zu grüßen und sich vorzustellen,
dem Gesprächspartner aufmerksam zuzuhören,
ruhig und ehrlich zu antworten,
Fragen zu stellen,
Interesse am Betrieb zu zeigen,
sich am Ende für das Gespräch zu bedanken.
Die Kleidung sollte gepflegt und der Situation angemessen sein. Sie muss nicht besonders formell sein, vor allem wenn das Treffen in einer Werkstatt oder einem Handwerksbetrieb stattfindet. Am wichtigsten sind Natürlichkeit, Höflichkeit und echtes Interesse.
Was sollte man über sich selbst erzählen?
Vor dem Treffen kann man sich auf die Frage vorbereiten: „Erzähl etwas über dich.“ Dafür ist keine lange Präsentation notwendig. Es reicht, kurz zu sagen:
welche Schule man besucht,
für welchen Beruf oder welche Branche man sich interessiert,
was man gern macht,
welche eigenen Stärken man sieht,
warum man gerade diesen Betrieb kennenlernen möchte.
Zum Beispiel: „Ich interessiere mich für den Beruf des Kfz-Mechatronikers und mag praktische Aufgaben. Ich möchte Erfahrungen in einer echten Werkstatt sammeln und erfahren, wie die Ausbildung in Ihrem Betrieb aussieht.“ Eine solche Aussage muss nicht auswendig gelernt werden. Sie soll lediglich helfen, die eigenen Gedanken vor dem Gespräch zu ordnen.
Telefon, E-Mail oder persönliches Treffen?
Der erste Kontakt mit einem Betrieb findet nicht immer direkt bei einem persönlichen Treffen statt. Manchmal beginnt er mit einem Telefonat oder einer E-Mail. Bei einem Telefongespräch sollte man sich kurz vorstellen und deutlich sagen, warum man anruft: „Guten Tag, mein Name ist … Ich bin Schüler/Schülerin an … und interessiere mich für eine Ausbildung in Ihrem Betrieb. Könnte ich mit der Person sprechen, die für die Auszubildenden zuständig ist?“ Auch eine E-Mail sollte kurz und konkret sein. Sinnvoll sind Name, Schule, der gewünschte Ausbildungsberuf und die Bitte um die Möglichkeit eines Gesprächs. Der erste Kontakt muss nicht perfekt sein. Wichtig ist, dass er höflich und verständlich ist.
Wie können Eltern helfen?
Eltern können einen jungen Menschen dabei unterstützen, sich auf das erste Gespräch mit einem Handwerksbetrieb vorzubereiten. Gemeinsam können sie Informationen über den Betrieb recherchieren, Fragen vorbereiten oder ein kurzes Gespräch üben. Beim eigentlichen Kontakt sollte jedoch möglichst der junge Mensch selbst sprechen. Eltern können unterstützen, sollten aber nicht jede Frage für ihr Kind beantworten. Das erste Gespräch mit einem Betrieb ist auch eine gute Gelegenheit, Selbstständigkeit zu entwickeln. Der junge Mensch lernt, sich vorzustellen, über eigene Interessen zu sprechen und einen ersten beruflichen Kontakt aufzubauen.
Nicht jedes Gespräch muss sofort zu einer Entscheidung führen
Nach einem Treffen muss der junge Mensch nicht sofort wissen, ob er seine Ausbildung genau in diesem Betrieb beginnen möchte. Manchmal ist es sinnvoll, mehrere Betriebe kennenzulernen und die Möglichkeiten miteinander zu vergleichen. Nach dem Gespräch kann man sich fragen:
Habe ich mich während des Gesprächs wohlgefühlt?
Wurden meine Fragen ernst genommen?
Weiß ich, wer meine Betreuungsperson sein wird?
Weiß ich, wie die Ausbildung ablaufen wird?
Finde ich die Aufgaben in diesem Betrieb interessant?
Kann ich mir vorstellen, hier zu lernen?
Eine bewusste Entscheidung ist wichtiger als die Wahl des erstbesten verfügbaren Betriebs.
Das erste Gespräch ist der erste Schritt zum Kennenlernen eines Berufs
Der erste Kontakt mit einem Handwerksbetrieb kann zunächst schwierig erscheinen, ist aber gleichzeitig eine sehr wertvolle Erfahrung. Ein Schüler oder eine Schülerin muss sich dabei nicht als fertige Fachkraft präsentieren. Wichtig ist vor allem zu zeigen, dass Interesse am Beruf besteht, Lernbereitschaft vorhanden ist und Fragen gestellt werden können. Gute Vorbereitung bedeutet nicht, alle Antworten auswendig zu kennen. Es reicht zu wissen: Mit wem spreche ich? Warum interessiert mich dieser Beruf? Was möchte ich erfahren? Und welche Fragen sollte ich stellen? Mit jedem weiteren Gespräch wird der Kontakt mit Betrieben leichter.
Ein Ziel des Projekts „Lernen und Arbeiten im Handwerk – Weiterentwicklung der dualen Ausbildung“ besteht darin, jungen Menschen und ihren Eltern den Zugang zu Informationen über Berufe und Handwerksbetriebe zu erleichtern, die sich an der praktischen Berufsausbildung beteiligen. Auf der InterCraft-Plattform werden Unternehmensprofile von Handwerksbetrieben vorgestellt. Sie helfen dabei, die Tätigkeit der Betriebe, ihre Branche und die Möglichkeiten der Berufsausbildung kennenzulernen. Darüber hinaus werden Materialien entwickelt, die Schülerinnen, Schüler und Eltern bei weiteren Bildungs- und Berufsentscheidungen unterstützen. Das erste Gespräch mit einem Betrieb muss keine stressige Prüfung sein. Es kann vielmehr eine erste Gelegenheit sein herauszufinden, ob ein bestimmter Beruf und ein bestimmter Ausbildungsort zu den Interessen des jungen Menschen passen.
Bereite dich auf das Gespräch mit einem Handwerksbetrieb vor: Informiere dich vorher über den Betrieb, denke über deine Interessen nach und bereite Fragen vor, die dir helfen, deinen möglichen zukünftigen Ausbildungsort besser kennenzulernen.
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